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Warum Arbeitstherapie auch für Senioren geeignet ist und gegen Depressionen im Alter wirkt
10.05.2015 20:15

Arbeit ist im Alltagsgebrauch eher negativ belegt, endet mit dem Eintritt ins Rentenalter und ist schon gar nichts für kranke und pflegebedürftige Menschen. Arbeit ist ein notwendiges Übel und macht krank.

Aber ist das wirklich so?

Was genau ist eigentlich Arbeit und wie könnten wir diese definieren?

Definition:
Arbeit ist eine Aktivität oder Tätigkeit die im Rahmen einer bestimmten Aufgabe entfaltet wird und zu einem materiellen oder immateriellen Arbeitsergebnis führt, das in einem Normensystem bewertet werden kann. Sie erfolgt durch den Einsatz von körperlichen, geistigen und seelischen Kräften des Menschen und dient der Existenzsicherung.

Und warum kann Arbeit eigentlich therapeutisch genutzt werden?

Arbeit kann als therapeutisches Mittel genutzt werden, weil sie zum einen direkt die Fähigkeiten, die bei der Arbeit benötigt werden anspricht bzw. fördern kann und zum anderen weil sie

• Zugehörigkeit schafft,
• menschliche Kontakte ermöglicht,
• ein "Hier und Jetzt" Gefühl schafft (Realitätsbezug),
• das Gefühl schafft etwas geleistet zu haben,
• Zeit Struktur gibt,
• Erfahrungen schafft,
• den Betroffenen mit Zielen außerhalb seiner eigenen Ziele verbindet (kollektive Ziele der
Gesellschaft und Gemeinschaft),
• durch den Status der durch eine Arbeit erlangt wird, wird Identität geschaffen
• den Betroffenen in Aktion bringt

Damit der Arbeitstherapeut gezielt auf die Bedürfnisse von Senioren, mit einer möglichst genauen Vorstellung der Arbeitstherapie eingehen kann, müssen
immer wiederkehrende Prozessmerkmale beachtet werden.

Die Prinzipien der Arbeitstherapie beziehen sich also auf den arbeitstherapeutischen Prozess der Arbeit, der möglichst objektiv und geplant ablaufen soll.

Die Prinzipien:
• Prinzip der Planmäßigkeit
• Prinzip der hohe Vorstellung vom Ablauf der Behandlung
• Prinzip der Beachtung der immer wiederkehrenden

Prozessmerkmale und deren Dokumentation
• Prinzip der optimalen Stimulierung
• Prinzip der gestuften Behandlung
• Prinzip des gestuften Lernens
• Prinzip der optimalen Anpassung

Arbeit dient also nicht nur der reinen Existenzsicherung, sondern bringt auch Menschen die nicht mehr im Berufsleben stehen in tragende gesellschaftliche Zusammenhänge. Nicht nur die psychomotorischen Fähigkeiten werden erhalten und gefördert, sondern auch die kognitiven Fähigkeiten, die sozialen Fähigkeiten, die Kommunikationsfähigkeit und die Kulturtechniken.

Besonders in Wohn- und Pflegeheimen und Wohngruppen, sind soziale Fähigkeiten sehr wichtig. Oftmals haben ältere Menschen, bei denen die Kinder schon lange aus dem Haus sind oder deren Partner bereits verstorben ist, sich Verhaltensweisen und funktionelle Vorgänge angeeignet, die sicherlich gut in der Häuslichkeit funktioniert haben als sie noch alleine lebten, aber zu Problemen im Zusammenleben in einer größeren Gruppe im Heim oder der WG führen. Um die sozialen Fähigkeiten, die für ein harmonisches und wertschätzendes Zusammenleben wichtig sind wieder zu erlangen und zu fördern, eignet sich die Arbeitstherapie hervorragend.

Arbeiten im Team ist eine ausgesprochen soziale Tätigkeit und bringt die Senioren wieder in einen gemeinschaftlichen und gruppendynamischen Prozess. Die Teilnehmer entwickeln wieder Selbstvertrauen und werden im Rahmen der aktivierenden Pflege in ihren vorhandenen Ressourcen gestärkt oder Sie gewinnen sogar neue Fähigkeiten hinzu. Selbstwirksamkeit und das Gefühl etwas geschafft zu haben, stärkt das Selbstwertgefühl und hilft dabei sich selbst und den Prozess des Alterns annehmen zu können. Das gemeinsame Arbeiten stärkt die sozialen Kompetenzen, die gerade im Zusammenleben in einer stationären Wohneinheit für ein wertschätzendes Miteinander unabdingbar sind.

Arbeitstherapie in seiner Vielfalt an Angeboten und professionellen Anwendung dient auch als therapeutisches Mittel bei Alzheimer-Demenz, Depressive Störungen, Suchterkrankungen im Alter, aber auch bei neurotischen, Belastungs- und so genannten somatoformen Störungen und Panikstörungen wie die Agoraphobie und die Sozialphobie (also die Angst vor den anderen schlechthin), sowie die spezifischen Phobien (eine Art Rest-Kategorie verbliebener Zwangsbefürchtungen) und die Zwangsstörungen wie Zwangsgedanken, Zwangshandlungen, früher auch Zwangsneurose genannt, sprechen auch auf Arbeitstherapie an.

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