24
Ju
Arbeitstherapeutisches Kochen im Pflegeheim "Neckarhaus"
24.07.2017 18:24

Wie es dazu kam?

Besonders in Wohn- und Pflegeheimen sowie Wohngruppen, sind soziale Fähigkeiten sehr wichtig. Oftmals haben ältere Menschen, bei denen die Kinder schon lange aus dem Haus sind oder deren Partner bereits verstorben ist, sich Verhaltensweisen und funktionelle Vorgänge angeeignet, die sicherlich gut in der Häuslichkeit funktioniert haben, als sie noch alleine lebten, jedoch zu Problemen im Zusammenleben in einer größeren Gruppe im Heim oder der Wohngemeinschaft führen.

Dies war eine der Überlegungen die auch Jens Reinemuth, Heim- und Verwaltungsdirektor des Avendi Neckarhauses in Edingen-Neckarhausen dazu bewegte, nach einer professionellen Unterstützung für einen altergerechten und wertschätzenden Übergang in die neue Lebenswelt zu suchen, während André Trinks gerade dabei war, ein auf die Bedürfnisse von älteren und pflegebedürftigen Menschen ausgerichtetes Konzept zu entwickeln, das auf arbeitstherapeutischen, psychologischen und pädagogischen Grundsätzen basiert. Wichtig war ihm dabei, dass die Bewohner eines Senioren- oder Pflegeheimes ihre sozialen Fähigkeiten, die sie für ein harmonisches und wertschätzendes Zusammenleben benötigten wieder erlangen bzw. zu fördern und so war es auch nur eine Frage der Zeit, dass Jens Reinemuth und André Trinks zusammen fanden und nun bereits seit 2014 das "Arbeitstherapeutische Kochen" im Avendi Pflegeheim "Neckarhaus" in Edingen-Neckarhausen für die Bewohner erfolgreich durchführen.

Warum arbeitstherapeutisches Kochen?

Kochen gehört nicht nur zu den ältesten und wichtigsten Kulturtechniken des Menschen, sondern Kochen birgt auch eine Chance den Prozess vom Planen der Speise über den Verzehr bis hin zur Reinigung der Kochutensilien und des Geschirrs, als arbeitstherapeutisches Mittel einzusetzen, denn Kochen bringt therapeutische Prozesse wieder in Fluss.

Beim Kochen und Verzehr des selbst Gekochten in der Gemeinschaft und einer entspannten Atmosphäre, ist es besonders leicht, miteinander ins Gespräch zu kommen. Kochen ist eine ausgesprochen soziale Tätigkeit und bringt die Bewohner wieder in einen gemeinschaftlichen und gruppendynamischen Prozess.

Die Bewohner entwickeln wieder Selbstvertrauen und werden im Rahmen der aktivierenden Pflege in ihren vorhandenen Ressourcen gestärkt oder gewinnen sogar neue Fähigkeiten hinzu. Selbstwirksamkeit und das Gefühl etwas geschafft zu haben, stärkt das Selbstwertgefühl und hilft dabei sich selbst und den Prozess des Alterns annehmen zu können.

Zudem bildet Kochen als arbeitstherapeutischer Prozess den Charakter. Nicht nur, weil man etwas für Andere tut, indem man sie bekocht, sondern auch die Wahrnehmung anderer wird durch das Kochen beeinflusst. Die Bewohner müssen beachten, wer, was wie gerne mag und müssen dies bei der Planung und Durchführung beachten, sie lernen wieder Rücksicht zu nehmen. Die Teilnehmer entwickeln Freude an der Gastfreundschaft und bilden ihre eigene Großzügigkeit aus.

Zusammen kochen macht Spaß, erfordert aber auch Geduld und fördert das Zeitgefühl. Das gemeinsame Kochen stärkt die sozialen Kompetenzen, die gerade im Zusammenleben in einer stationären Wohneinheit für ein wertschätzendes Miteinander unabdingbar sind. Über dies hinaus, fördert das Kochen aber auch die psychomotorischen Fähigkeiten, die kognitiven Fähigkeiten und die Freude an der Nahrungszubereitung und deren Aufnahme.

Welche Bedürfnisse werden beim Bewohner angesprochen?

Arbeitstherapeutisches Kochen schafft

  • Zugehörigkeit,
  • ermöglicht menschliche Kontakte,
  • schafft ein "Hier und Jetzt" Gefühl (Realitätsbezug),
  • schafft das Gefühl etwas geleistet zu haben,
  • gibt Zeit und Struktur
  • schafft neue Impulse und Erfahrungen,
  • verbindet mit Zielen außerhalb der eigenen Ziele,
  • bringt den Bewohner in Aktion (vom passiven zum aktiven Bewohner)
  • schafft durch den Status der durch eine Arbeit erlangt wird Identität und Selbstwert.

 

Allein unter Frauen

Kommentare