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Allein unter Frauen
20.06.2017 22:18

Männer sind ganz klar in der Unterzahl in Altern- und Pflegeheimen. Dies mag einerseits in der geringeren Lebenserwartung des männlichen Geschlechts begründet sein, andererseits scheint es für viele Männer nicht wirklich attraktiv zu sein in einem Alten- und Pflegeheim zu leben, denn dort werden, so jedenfalls oft vermutet, die männlichen Attribute weder geschätzt bzw. auch nicht mehr benötigt.

Die Lebenserwartung der Frauen lag schon immer über der von Männern und während Frauen heute ungefähr 82 Jahre alt werden, bringen es Männer gerade mal auf 77 Jahre, womit das klassische Idealbild des gemeinsamen Altwerdens von der Realität doch stark abweicht. In der Regel ist der Mann also bereits verstorben und die Witwe lebt alleine im Alters- und Pflegeheim. Natürlich gibt es auch Ausnahmen und somit kommt auf 4 Frauen im Alters- und Pflegeheim heute im Durchschnitt 1 Mann. Dies ist grundsätzlich in der Betrachtung aus der Ferne erstmal kein Problem, immerhin ist der Senior „Hahn im Korb“ und bei den Seniorinnen heiß begehrt, so jedenfalls in unserer oberflächlichen Sichtweise. Beim genaueren Hinsehen stellt sich jedoch die Frage, ob dies zum einen genug für das eigene Selbstwertgefühl ist und zum anderen, ob diese Art von Aufmerksamkeit überhaupt gewollt ist und wahrgenommen wird. Wie wir alle aus unserem eigenen Erleben kennen, sind diese Erlebnisse schon wichtig, aber nicht alles über das wir uns definieren und unsere Selbstwirksamkeit und Individualität erfahren.

Gerade für Männer der Generation, die heute in Alten- und Pflegeheimen wohnen, waren „Arbeit und Beruf“ ein Leben lang maßgebend für die eigene Wahrnehmung und Identität. Viele Männer fürchten sich daher vor dessen Verlust und somit im Ergebnis auch vor dem Alten- und Pflegeheim.

Dem entgegen zu wirken, haben wir unser „Angebot der Arbeitstherapie für Senioren“ auf deren Wünsche und Bedürfnisse angepasst. So arbeiten wir ausschließlich mit Naturmaterialien und in Gewerken, die in der Jugend der Senioren zu den gängigen Lehrberufen und dem damals populären Handwerk gehörten. Gerade die Arbeit mit dem Werkstoff „Holz“, gehört immer noch zu den beliebtesten Tätigkeiten.

Auch für uns als Arbeitstherapeuten bietet „Holz“ besondere Vorzüge, denn das Arbeiten mit Holz als therapeutisches Mittel, bringt therapeutische Prozesse wieder in Fluss. Emotionale, noch unverstandene Sinnzusammenhänge werden symbolisch ausgedrückt, und erhalten eine Form und geben Anlass zu therapeutischem Nachfragen und bieten die Möglichkeit nonverbal zu kommunizieren.

Gestände, Produkte zu modellieren ist eine therapeutische Möglichkeit das Verborgene und das Unterbewusste eines Menschen relativ schnell sichtbar zu machen, es in Form zu bringen. Psychische Widerstände können minimiert und auch erkannt werden. Das kreative Potential der Senioren, kann durch einen unverbindlichen und spielerischen Zugang wieder geweckt und gefördert werden. Die Möglichkeit sich über das Material Holz auszudrücken kann das Befinden, Konflikte, Haltungen, Stimmungen, Spannungen und Gefühle der Senioren sichtbar machen und somit wertvolle Informationen zum arbeitstherapeutischen Prozess liefern. Die sinnliche Wahrnehmung, das Erleben von Lernprozessen und das Gefühl doch noch etwas zu können bzw. lernen zu können, stärken das Selbstwertgefühl. Durch die regelmäßige Teilnahme werden Lebensrhythmen neu erlebt. Die Arbeit mit dem Material Holz in einer Gruppe, dient als therapeutisches Lernumfeld, um mit sozialen Anforderungen besser umgehen zu können. Die Senioren haben die Möglichkeit in einem kreativ-produktiven Prozess zu erleben und mit zu gestalten. Die Senioren erleben Gemeinschaft. Durch die verschiedenen Formen der Arbeitsteilung und des Zusammenarbeitens, um ein gemeinsames Ergebnis zu erzielen, werden die Kooperationsbereitschaft und das Füreinander gestärkt. Gruppendynamische Prozesse und individuelle Lernchancen ergeben sich durch diese Maßnahme.

Aufgrund unserer erfolgreichen und nachhaltigen Konzepte für Seniorinnen und Senioren, konnten wir weitere Einrichtungen der Alten- und Pflegeheimbetreiber für uns gewinnen. U. a. konnten wir die Einrichtung der avendi Senioren Service GmbH „Service-Wohnen & Pflege CentroVerde“ in Mannheim, die wir an dieser Stelle gerne kurz vorstellen wollen von unserem Konzept überzeugen. Besonders hervorheben möchten wir dabei zum einen die Heimleitung Frau Lena Uhrich und zum anderen die Leitung des „Sozialen Dienstes“ Herr Hendrik Dreves sowie den Ergotherapeuten Dennis Scherhag, die nicht nur die Notwendigkeit der Arbeitstherapie für ihre zu Pflegenden und Senioren erkannt haben, sondern uns und somit auch die Bewohner mit ihrem Engagement ermutigen und unterstützen. Die moderne und ressourcenorientierte Einrichtung bietet 99 Pflege­plätze in 90 Pflege-Appartements und neun PflegeApart-Wohnungen. Im eigen­ständig begehbaren Gebäude­teil im Helene-Hecht-Ring 51-53 befinden sich zudem 28 komfortable Senioren-Service-­Wohnungen

Konkret werden unsere Maßnahmen übrigens durch unsere Fachkräfte Thorsten Lessle, Volker Funk sowie André Trinks, je nach den individuellen Ressourcen der Teilnehmer und Gruppenstärke in 1-2er Teams auf den Flächen unserer Kunden durchgeführt.

Wir sind fest davon überzeugt, dass der ressourcenorientierte Blick auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Senioren nicht nur die vorhanden Fähigkeiten erhält, sondern auch noch fördert und zudem ein würdevolles und leben erfüllendes Altern auch in einem Alten- und Pflegeheim realisierbar macht.

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